Rumänische Landwirtschaft auf dem Tiefpunkt: Haben die Bauern den Konkurrenzkampf mit den Discountern endgültig verloren?

Die Umsätze der ausländischen (vor allem der deutschen) Supermärkte steigen in ganz Osteuropa ununterbrochen. Besonders alarmierend ist dieser Trend in Bulgarien und Rumänien, wo die Bauern Tag für Tag ums Überleben kämpfen müssen. Viele Einheimische, die selbst nicht viel Geld verdienen, greifen lieber zur billigeren Produktvariante aus dem Discounter als einheimische Produkte zu kaufen, die oft teurer sind. Haben die rumänischen und bulgarischen Landwirte überhaupt noch eine Chance diesen Tiefstand zu meistern oder müssen sie sich den ausländischen Supermarktketten geschlagen geben?

 

Gute Aussichten für bekannte Handelsketten in Bulgarien

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Bundesrepublik Deutschland bleibt nach wie vor der wichtigste Markt für Waren und Dienstleistungen, die in Bulgarien hergestellt wurden. Dazu tragen hauptsächlich die in Bulgarien mit deutschem Kapital gegründeten Firmen im Lande bei, die ihre Produktion für ihre Muttergesellschaften in Deutschland ausführen. Firmen wie „Siemens“, „Liebcher“, „Lufthansa-Technik“, „Festo“ und „Aurubis“ haben bereits ziemlich große Betriebe in Bulgarien aufgebaut, trotzdem bleibt das Land abseits von den großen Kapitalflüssen.
Dagegen beherrschen deutsche Handelsketten wie Metro, Kaufland und Lidl den Verbrauchermarkt und den modernen Handel. Fazit: Der Handel in Bulgarien ist lukrativer und sicherer als die direkten Investitionen in die bulgarische Industrie. Sogar noch mehr – das ist im Augenblick etwas wie unausgesprochene Regel für den Geschäftsumfeld in Bulgarien.

Überlebenskampf der rumänischen Bauern und der Bevölkerung

Nicht nur Bauern versuchen sich mit der Landwirtschaft etwas Geld zu verdienen, sondern ebenfalls rumänische Bürger, die vorher nichts mit dem Bauerndasein zu tun hatten. Meistens sind dies Rentner, die sich etwas zu ihrer Rente hinzuverdienen möchten. Viele bekommen eine Rente, die etwas über 200 Euro beträgt. Die Lebenskosten steigen jedoch kontinuierlich an und sind mit den deutschen zu vergleichen, weshalb das alleinige Leben von der Rente unmöglich ist.

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Ca. 30 Prozent der Berufstätigen besitzen Tiere, meistens Schweine oder Kühe, und ernähren sich und ihre Familie von diesen. Der Verkauf von Kuhmilch an Molkereien lohnt sich nicht, da diese nur 17 Cent pro Liter zahlt. Da wird diese lieber selbst verbraucht oder den Tieren gegeben. Unterstützung von der EU erhalten sie erst ab 3 Kühen, da sie sonst als Hobbybauern eingestuft werden.

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Unterstützung der Kleinbauern durch „Ecoruralis“

Seit sieben Jahren existiert die von Bauern und Aktivisten gegründete Organisation „Ecoruralis“ in Cluj. Diese soll die Politiker auf die Missstände der Kleinbauern aufmerksam machen. Sie will, dass die heimischen Produkte mehr geschätzt und gefördert werden anstatt diese durch billigere zu ersetzen.

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Erschreckend ist vor allem die Tatsache, dass jede Stunde drei kleine Bauernhöfe in Rumänien schließen. Wenn dies so weitergeht, kann es dazu kommen, dass bald alle kleinen Bauernhöfe von der rumänischen Landkarte verschwinden. Nach 1989 konnte man einen Trend des Umzugs vieler Rumänen zurück aufs Land feststellen, da das zuvor enteignete Land an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben wurde. Hier sahen damals viele Potential für einen Nebenverdienst. Vergeblich, wie sich heutzutage herausstellt…

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Leere Wochenmärkte, volle Discounter und Supermärkte

Kleinbauern sahen ihr Verkaufspotential vor allem auf Wochenmärkten, wo sie fast alle einen Stand hatten. Heutzutage haben immer weniger Kleinbauern Stände auf solchen Märkten, da sich der Verkauf der regionalen Produkte einfach nicht mehr lohnt. Die Rumänen suchen lieber Discounter und Supermärkte auf, wo sie die meisten Produkte günstiger als auf dem Wochenmarkt ergattern können. Außerdem bekommen die Supermärkte und Discounter Kredite in Millionenhöhe, sodass die Bauern gar nicht im Stande sind mit ihnen zu konkurrieren.

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Landwirtschaftliche Goldgrube

Immer mehr Investoren erkennen rumänischen Boden als Goldgrube an, vor allem die Dänen und Österreicher investieren hier. Richtung Constanza sind nur riesige Felder zusehen, die mit der modernsten Technologie ausgestattet sind. Seit dem EU-Beitritt benötigen die Investoren nicht einmal mehr einen Sachverständigen, wodurch der Kauf einer Fläche noch einfacher und günstiger für diese wird. Immerhin kostet ein Hektar Land nur zwischen 1.000 und 3.000 Euro, was im Vergleich mit Deutschland ein richtiges Schnäppchen ist.

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Hoher Kreditzins und niedrige Fördermittel

Vor allem für Bauern ist es eher problematisch auf ein Kredit zu bangen, da die Zinsen sehr hoch sind und nicht jedem Bauer ein Kredit erteilt wird. Außerdem bekommen Bauern in anderen EU-Ländern höhere Fördermittel, wodurch sie ihre Produkte auch billiger vertreiben können. Aus diesem Grund ist es für einheimische, kleine oder mittlere Bauern nahezu unmöglich sich über Wasser zu halten und zugleich erfolgreich zu sein.

Wenn sich kleine oder mittlere Bauern nicht trauen, Geld in ihr Land und ihre Produkte zu investieren, können Sie erst gar nicht mit den Giganten konkurrieren. Entweder werden sie hierbei Glück haben oder sich verschulden. Leider besteht hierbei keine andere Chance – sei es in Bulgarien oder in Rumänien.

 

 

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